Interview mit Josef Steinberger: „Wir lernen über Emotionen, Geschichten, Erlebnisse.“

Josef Steinberger ist der Institutsleiter des Staatsinstituts für die Ausbildung von Förderlehrkräften

goodgrade: Herr Steinberger, Ihr Institut bildet Förderlehrkräfte aus, die Spezialisten sind für die individuelle Förderung mit spezifischen Maßnahmen bei leistungsschwächeren und auch bei leistungsstarken Schülern. Wir bei goodgrade setzten diese auch bei der Einzelnachhilfe ein. Welche Fähigkeiten müssen Förderlehrkräfte besitzen und nach welchen Grundlagen werden die Schüler gefördert?

Herr Steinberger: Förderlehrerinnen und Förderlehrer benötigen in der Tat mehrere Kompetenzen:

  • Wichtig ist zunächst, dass sie die Kinder mit ihren Schwächen und Eigenheiten annehmen und ihnen mit Wertschätzung begegnen.
  • Sie bieten den Klassenlehrerinnen und Klassenlehrern an Grund- Mittel und Förderschulen ihre Unterstützung an. Insofern sind Schlüsselqualifikationen wie Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit, Verlässlichkeit, Empathie Verantwortungsbereitschaft, etc. wichtig.
  • Gleichzeitig benötigen sie auch diagnostische Fähigkeiten, um zusammen mit den Klassenlehrkräften die fachlichen Defizite der Kinder in Mathematik bzw. in Deutsch exakt bestimmen zu können und auf dieser Grundlage einen konkret auf die Schwächen abgestimmten Förderplan zu entwickeln.

goodgrade: Förderlehrer müssen auf die gestiegenen schulischen Herausforderungen reagieren und den Lernerfolg der Schüler sichern. In welchen Bereichen arbeiten Förderlehrkräfte?

Herr Steinberger: Förderlehrkräfte fördern Schüler mit spezifischen Defiziten in den Fächern Deutsch, Deutsch als Zweitsprache (Kinder mit Migrationshintergrund) und Mathematik. Dabei unterstützen sie die Klassenlehrkräfte, indem sie einzelne Schüler im oder außerhalb des Klassenverbands differenziert und individuell unterrichten. Darüber hinaus bieten sie so genannte Arbeitsgemeinschaften an, in denen sie die Kinder unterweisen, wie man z. B. richtig und konzentriert lernen kann oder fördern die Jugendlichen beispielsweise auch im musischen Bereich oder im Erlernen der deutschen Sprache.

goodgrade: Förderlehrer müssen auf die gestiegenen schulischen Herausforderungen reagieren und den Lernerfolg der Schüler sichern. In welchen Bereichen arbeiten Förderlehrkräfte?

Herr Steinberger: Förderlehrer arbeiten mit Hilfe des sog. Förderkreislaufs. Auf der Grundlage einer Ist-Stand-Erhebung, die sowohl quantitativ als auch qualitativ ausgewertet wird, stellen sie den jeweiligen Leistungsstand des Kindes fest und entwickeln einen Förderplan, der methodisch – didaktische Maßnahmen bereithält, um die Defizite der Schüler zu minimieren und langfristig zu beheben. In aller Regel erzielen die Kinder rasch die ersten Erfolge, was wiederum zu einer gesteigerten Motivation führt.

goodgrade: Wie wichtig ist aus Ihrer Erfahrung und Sichtweise der Einsatz eines individuellen Förderplans?

Herr Steinberger: Die Ausarbeitung eines individuellen Förderplans ist die Grundlage für eine sinnvolle und nachhaltige Förderung in allen Fächern. Erst wenn die Defizite exakt bestimmt sind, können gezielte Maßnahmen zu ihrer Aufarbeitung getroffen werden. Neben dem oben bereits erwähnten Erkenntnismaterial bedarf es für eine gelingende Förderung aber auch unbedingt des Einsatzes der Fachsprache. Schüler verfügen erst dann über gesicherte Erkenntnisse, wenn sie in die Lage versetzt werden, diese sprachlich exakt zu artikulieren. Lernen ohne Sprache ist nicht möglich.

goodgrade: Haben sich die Anforderungen an die Förderlehrkräfte durch die Pandemie verändert?

Herr Steinberger: Die Corona-Pandemie erschwert das Unterrichten in allen Schularten und für alle Beteiligten. Unterricht lebt von der direkten Kommunikation zwischen Lehrer und Schüler. Nachhaltig erfolgreicher Unterricht bedarf der personalen Auseinandersetzung. Wir lernen über Emotionen, Geschichten, Erlebnisse. Wenn Lehrkräfte und Schüler nicht mehr direkt miteinander in Kontakt treten dürfen, weil die Ansteckungsgefahr zu groß ist, dann hat das natürlich negative Auswirkungen auf das Lernen der Kinder. Aber auch die Studierenden erleiden massive Einschränkungen in ihrer Ausbildung, weil sie nicht mehr an die Schulen dürfen, um dort ihre praktischen Erfahrungen zu sammeln, weil eine „Eins zu Eins-Unterweisung“ nicht mehr möglich ist. Computer können all das nicht ersetzen. Digitalisierung ist allenfalls eine sinnvolle Ergänzung, auch Erweiterung des Unterrichtsgeschehens. Mehr aber auch nicht.

Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir fühlen uns in unserem Konzept bestärkt und freuen uns auf weitere tolle Förderlehrkräfte, die bei uns Schüler*innen im Einzelunterricht unterstützen und voranbringen.

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